Katharina Katzenmaier – eine christliche Widerstandskämpferin aus Heppenheim

Vom KZ ins Kloster

„Ich war froh, im KZ zu sein – da gehörte ich hin!“, sagte die resolute Ordensschwester provokant 1995 im Gespräch mit Alice Schwarzer (Emma 11/1995).

Katharina Katzenmaier wurde am 24.04.1918 in Heppenheim geboren. Sie wuchs mit vier Geschwistern in ihrem Geburtsort auf. Nach einem Jahr Volksschule, besuchte sie von Ostern 1925 bis Ostern 1937 das Institut der Englischen Fräulein (heute Liebfrauenschule) in Bensheim. Der Vater ein Finanzbeamter verstarb mit Anfang Fünfzig und beendete damit die Träume der Tochter Medizin zu studieren und einen Beruf als Missionarsärztin auszuüben.

Katharina Katzenmaier arbeitete zwei Jahre im Bensheimer Krankenhaus als Assistenz des Chefarztes. Sie entschloss sich in Freiburg ein Seminar für Seelsorge und Religionsunterricht zu absolvieren. Ihre erste Stelle tratt sie im Mai 1942 in Püttlingen im Saarland an. Katharina Katzenmaier übernahm Arbeiten in der Kirchengemeinde, leitete den Kinderchor, den Erwachsenenchor, erteilte Kommunionunterricht, Religionsunterricht und war in der Seelsorge tätig.

Am 21. Juli 1943 w siurde in Püttlingen verhaftet. Man warf ihr vor, sie hätte im Unterricht Euthanasie als Mord bezeichnet, der vom Staat befohlen sei und Zweifel am Endsieg Hitlers geäußert. In ihren Erinnerungen (Biografie vom KZ ins Kloster) schrieb sie, die letzte Anschuldigung hätte sie mit Sicherheit im kirchlichen oder privaten Umfeld gesagt, nicht aber im Religionsunterricht, wohlwissend um die Gefährlichkeit dieser Aussage. Allein ihre Anstellung bei der Kirche wurde als Beweis staatsfeindlicher Gesinnung ausgelegt. Im Verhör sollte sie bewegt werden, den kirchlichen Beruf aufzugeben und sich zum Nationalsozialismus zu bekennen. Sie blieb standhaft und wurde im Gefängnis in Saarbrücken interniert. Hier verbrachte sie auch drei Monate in Einzelhaft.

Am 21. Oktober 1943 deportierte man sie von Saarbrücken in das KZ Ravensbrück. Als Gefangene 24295 arbeitete sie im Lager und in der Rüstungsindustrie. Sie erfuhr alle Schrecken des Konzentrationslagers: Hunger, Krankheit, Folter, Angst, Kälte, katastrophale sanitäre Zustände, Läuse, Wanzen, Flöhe und Kakerlaken. Dem Tod näher als dem Leben. Ende April 1945 wurde das Lager aufgelöst. Die Frauen wurden auf den Todesmarsch in Richtung Westen, wieder unter schwierigsten Bedingungen, ohne ausreichend Nahrung und Wasser, gezwungen. Die Befreiung durch die russische Armee erfolgte am 2.5.1945. Weitermarsch trotz Verbots in die britische Besatzungszone. Hier wurde die Gruppe um Katharina Katzenmeier interniert, bis glaubhaft gemacht werden konnte, dass sie Gefangene und keine verkleideten SS-Leute waren. Die Ankunft in Heppenheim erfolgte nach fünf Monaten und 600 km Landstraße Mitte September 1945.

Das „normale“ Leben kehrte nur langsam unter der mütterlichen Pflege zurück. Sie begann die Ausbildung an der Lehrerakademie in Seeheim-Jugenheim, legte die Lehramtsprüfung nach 1 ½ Jahren ab und trat eine Stelle als Lehramtsanwärterin in der vierten Grundschulklasse in Heppenheim an. Im Zeitraum Herbst/Winter 1947/1948 hielt sie 28 Vorträge im Rhein-Neckar-Gebiet und im Saarland über das Leben im KZ und ihre persönlichen Erfahrungen. Es gab wiederholt Spannungen zwischen Anhängern und Gegnern des ehemaligen Hitler-Regimes. Katharina Katzenmeier suchte immer das Gespräch, auch in Püttlingen, auch bei den Personen die sie denunziert hatten.

Das im Herbst 1947 begonnene weitere Studium an der Johann-Gutenberg-Universität in Mainz in den Fächern Philosophie, Psychologie und Theologie brach sie nach drei Semestern ab und entschloß sich am Allerheiligentag 1949 in das Benediktinerinnenkloster St. Lioba in Freiburg einzutreten. 1950 legte sie das Ordensgelübde (Prozess) ab und wurde Schwester Theodolinde. Von ihrem Kloster wurde sie in den nächsten Jahren in verschiedenen Pfarreien in Schwetzingen, Freiburg, St. Bernhard, Singen/Hohentwiel, Lörrach und Mannheim entsandt. Sie arbeitete als Seelsorgerin und Katechetin, gab Religionsunterricht an der Hauptschule, an der Höheren Handelsschule, Gewerbeschule, Berufsschule, Realschule und am Gymnasium, übernahm die Leitung von Mädchengruppen, war in der Erwachsenenbildung tätig und stemmte Aufgaben in Pfarrsekretariaten. Mit 65 Jahren beendete Schwester Theodolinde die Tätigkeit als Seelsorgerin, erteilte aber noch bis zum 72. Lebensjahr Unterricht an verschiedenen Mannheimer Schulen.

Am 1.Mai 1990 blickte sie auf ein vielfältiges Arbeitsleben und ihr 40-jähriges Profess-Jubiläum zurück und wie sie selbst schrieb: voller Dank gegen Gott für so viele Gnadenjahre. Schwester Theodolinde wurde 82 Jahre alt. Ihr Leben widmete sie unermüdlich, in allem was sie tat, dem Einsatz für Menschenrechte und der Aufgabe: nie wieder Faschismus!

Quellen:

·         Vom KZ ins Kloster – Erinnerungen von Katharina Katzenmaier

·         Albert, Boese, Drop (Hrsgb.), Aus der KZ-Hölle in den Einsatz für Christus und Menschenrechte

·         Emma, Artikel von A. Schwarzer, 1.11.1995